Studium von Anfang bis Ende ... und darüber hinaus

Aktualisiert: Jan 28

Als ich als junger Student nach meiner Militärzeit im Jahre 2014 nach Zürich pilgerte, um an der ETH mein Studium der Agrarwissenschaften zu beginnen, wusste ich eigentlich nur etwas mit Bestimmtheit: Zu all der Theorie, die auf mich wartete, würde ich mit Sicherheit einen Ausgleich brauchen, um von dem zu erwartenden Lernstress auch mal abschalten zu können. Durch meine Zeit in einer Gymnasialverbindung durfte ich den Wert dieser generationenübergreifenden Vereine kennen und schätzen lernen. Dazu hatte ich u.a. durch meine RS als Panzergrenadier auch eine Affinität zum Schiesssport entwickelt.So suchte ich nach einer Verbindung und einem Schiessverein. Ich staunte nicht schlecht, als ich mit dem Schützenverein Schweizerischer Studierenden, kurz SSS!, einen Verein entdeckte, der zugleich beides war. Kurzentschlossen schaute ich darauf bei dem wöchentlichen Stammtisch des SSS! vorbei. Die kleine aber feine Runde, die trotz unterschiedlichen Persönlichkeiten durch das gemeinsame Schiessen einen aussergewöhnlichen, kameradschaftlichen Zusammenhalt hatte, hat mich stark beeindruckt. So entschloss ich mich bereits am dritten Anlass, der traditionellen Semestereröffnungssitzung, mein Aufnahmegesuch zu stellen. Dass im SSS! traditionell eine längere „Interessentenzeit“ vorgesehen ist, um das neue Mitglied gründlich kennenzulernen wusste ich nicht. Aber die Corona, der traditionelle Name für die Stammgemeinschaft, hatte anscheinend Gefallen an mir gefunden. Mit viel Flexibilität und Freude wurde ich sogleich als Mitglied angenommen und durfte seither Teil dieser Familie sein.


So wurde der regelmässige Stammbesuch am Donnerstag ein Lichtblick und unser Stammlokal wurde für mich zu einer eigentlichen „Feriendestination“ in der ich mich von den Mühsalen des Studiums erholen konnte. So ging es die ersten zwei Semester und schon bald stand die erste Bewährungsprobe an: Die Basisprüfungen der ETH. Ich war überzeugt, mich gut auf diesen Hammerschlag vorbereitet zu haben, doch die Professoren sahen dies offensichtlich anders. Das Durchfallen in diesen Prüfungen war ein unerwarteter Schlag und weckte Selbstzweifel. Doch meine Farbenbrüder standen mir eng zur Seite und ermutigten mich, den zweiten Anlauf zu wagen. Tatkräftig unterstützen sie mich dabei. Sei es durch subtiles Nachfragen, ob ich mich noch im Lernplan befinde oder durch wöchentliche Mathematiknachhilfestunden, welche ich lediglich mit einem Bier abgelten durfte, ich konnte mich auf jede erdenkliche Unterstützung verlassen und Bestand die Prüfungen im zweiten Anlauf mit Bravour!


Diesen Schwung nahm ich gleich mit und so bewarb ich mich kurzerhand auf das Amt des Präsidenten, um dem Verein auch wieder etwas zurück geben zu können. Als junger Präsident, war meine erste Aufgabe, den SSS! wieder vermehrt in das Bewusstsein der Uni und ETH zu bringen und neue Mitglieder finden. Da Studenten für gewöhnlich ihr Studium auch mal abschliessen oder an einer anderen Universität fortsetzten, ist dies eine wiederkehrende Aufgabe des Vereinsvorstandes und gerade zu jener Zeit waren die meisten aktiven Mitglieder schon fertig oder auf dem Schlussspurt. Wir etablierten mit Erfolg ein offenes Schnupperschiessen für Angehörige der Uni und der ETH welches auf grosses Interesse stiess. So konnten wir den Bestand der Aktivitas wieder mit jungen und motivierten Mitgliedern füllen. Nach anderthalb spannenden Jahren war es an der Zeit das Präsidium wieder weiter zu geben um mich auf den Abschluss des Bachelors zu konzertieren.


Leider verzögerte sich der Beginn der Bachelorarbeit aus verschieden Gründen und da ich die übrigen Prüfungen grösstenteils hinter mir hatte, war ich mit einem Übermass an Freizeit konfrontiert. Einem Altherr unserer Verbindung fiel dies auf und so fragte er mich an einem Stamm, was ich denn Morgen vor hätte. Als ich mit „Nicht viel“ antwortete, entgegnete er mir nur: „Perfekt, du bist eingestellt.“ Erfreut über dieses unerwartete Jobangebot, aber ohne eigentlich genau zu wissen was ich überhaupt tun sollte, führte er mich am nächsten Morgen auf eine seiner Baustellen, wo ich nicht nur beim renovieren des Hauses mithalf, sondern v.a. auch das Fundament für eine tiefe Freundschaft legte. Auch während des weiteren Verlaufs meines Studiums durfte ich während den Semesterferien bei ihm Arbeiten und er wurde immer mehr zu einem eigentlichen Mentor führ mich. Durch diesen generationenübergreifenden Austausch durchlief ich nicht nur ein Studium, sondern auch eine Lebensschule in der ich Lektionen lernen konnte, die nur schwer in Worte zu fassen sind, aber mich dafür ein Leben lang Begleiten werden. An dieser Stelle möchte ich meinem guten Freund und Mentor ausdrücklich danken! Dein Wissen und Erfahrungsschatz waren für mich eine einmalige Stütze und massgeblich für den Erfolg meines Studiums und v.a. auch für meinen erfolgreichen Berufseinstieg!


Die Bachelorarbeit verlief nicht nur zu Beginn etwas “chnorzig“, sondern auch während dem Schreiben fehlte mir ein genuines Interesse am Thema. Umso dankbarer war ich über die aufmunternden Stunden im Kreise des SSS!, der mich über diese Durststrecke trug und als ich mit meinem Masterstudium beginnen konnte, kam auch die Motivation wieder zurück, da ich mich endlich mit spezifischeren und für mich interessanten Fragen beschäftigen konnte. So kam das Studium gut voran und bevor ich mit der Masterarbeit begann, legte ich noch längeres Auslandpraktikum hin. Als mich in der Ferne ein leises Heimweh beschlich, merkte ich, wie sehr der SSS! bereits zu einem Zuhause geworden war.

So war der Schock auch nicht zu klein, als kurz nach meiner Rückkehr das Coronavirus zuschlug. Da ich ein eher kontaktfreudiger Mensch bin, trafen mich die Beschränkungen hart, zumal ich bedingt durch die Arbeit an meiner Masterarbeit auch „beruflich“ alleine forschte. So war ich gottenfroh hatten wir die Möglichkeit, mit viel Abstand und unter Einhaltung der BAG-Vorschriften in unserem Stammlokal weiterhin einen Stamm durchzuführen. Gleichzeitig stand auch mein Berufseinstieg an. Bei der Suche nach einem Job, der einen guten Ausgleich zwischen Büro und „Stallluft“ bietet, war mir das Career Center der ETH eine gute eine grosse Stütze. Schlussendlich bewarb ich mich auf eine Teamleiterstelle im Bereich Biolandbau am Strickhof in Lindau, wo ich prompt auf den Spätsommer beginnen konnte. Auch die Masterarbeit schloss ich erfolgreich ab und stehe nun vollends im Berufsleben.


Der SSS! war mir eine unglaubliche Stütze während des Studiums. Nicht nur halfen meine Farbenbrüder bei Problemen tatkräftig aus, auch der psychologische Support guter Freunde darf man nicht unterschätzen um Flauten im Studium erfolgreich zu meistern und die Motivation aufrecht zu halten. Ganz herzlich möchte ich mich bei euch allen bedanken! Ihr SSS!er seid für mich nicht nur Schützenkameraden, sondern wurdet in den sechs Jahren Studium zu einer Familie für mich. Ohne euch Unterstützung und Motivation wäre ich mir nicht sicher, ob ich dass das Studium und den Berufseinstieg überhaupt bestanden hätte. Explizit möchte ich nochmals meinem Mentor danken, ohne deine Kritik und deine Denkanstösse wäre ich als Mensch nicht dort, wo ich jetzt bin.


Vivat, Crescat, Floreat SSS!


Euer Hammer


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